Motivationstrategien

los gehtsSich für die eigenen Lieblingstätigkeiten motivieren? Kein Problem. Aber wie sieht es aus, wenn es um etwas geht, was wir absolut nicht gerne machen? Wie z.B. die Steuererklärung.

Passiert es Dir auch, dass du unangenehme Aufgaben vor Dir her schiebst? Du weißt genau, dass Du es irgendwann tun musst. Aber bitte nicht jetzt …

Dieses vor sich her schieben kann unangenehme Nebenwirkungen haben. Es könnte z.B. sein, dass Du ein schlechtes Gewissen bekommst, wenn Du statt der unangenehmen Aufgabe etwas anderes tust. Frei nach dem Motto:

Das schlechte Gewissen ist das Gefühl, was uns zwar nicht abhält, aber das Vergnügen erheblich mindert.

Und dieses schlechte Gewissen könnte – wenn es für einen längeren Zeitraum da ist – Deinen Energiepegel senken.

Zum Glück gibt es einige Strategien, mit denen Du Dich selber in den Hintern treten kannst und es gar nicht erst so weit kommen läßt.

Reiss Profile

Der Amerikaner Steven Reiss hat in mehreren weltweiten Studien herausgefunden, dass es grundsätzlich 16 verschiedene intrinsische Motivationsfaktoren gibt. Zu diesen Motivationsfaktoren gehören zum Beispiel:

  • Neugier
  • Macht
  • Essen
  • Eros
  • Unabhängigkeit
  • Anerkennung
  • Status

Die 16 Motivationsfaktoren sind bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Menschen wie mich treibt z.B. die Neugier sehr stark an. Wenn es etwas Neues zu entdecken gibt oder etwas eine intellektuelle Herausforderung darstellt, dann bin ich Feuer und Flamme. Bei anderen ist vielleicht Anerkennung ein wichtiger Motivationsfaktor – also welche positiven Rückmeldungen man von anderen bekommt.

Die Idee: Wenn Du Die bei Dir stark ausgeprägten Motivationsfaktoren kennst, dann kannst du Sie gezielt einsetzen, um Dich für unangenehme Aufgaben zu motivieren.

Beispiele:

  • Bei Dir ist Neugier ein starker Faktor. Vielleicht motiviert es Dich, das neueste Steuerprogramm auszuprobieren – weil du neugierig bist, wie es dich übersichtlich und nachvollziehbar durch den Prozess führt.
  • Wenn Essen für dich eine starke Triebfeder ist, kannst Du vielleicht auf die Erledigung der unangenehmen Aufgabe eine Belohnung setzen –  z.B. ein Besuch in einem Restaurant, den Du Dir nur zu besonderen Anlässen gönnst.
  • Vielleicht ist es Dir besonders wichtig, dass andere Dir positive Rückmeldungen geben (Anerkennung). Dann könntest Du z.B. die Erledigung der unangenehmen Aufgabe den Menschen ankündigen, die Dir wichtig sind – und von denen Du gerne eine wertschätzende Anerkennung bekommst. Das setzt Dich selber in Zugzwang (es ist ja angekündigt) – und verspricht eine Belohnung, die Dir wichtig ist (Anerkennung).

Es gibt Anbieter wie z.B. das Institut für Persönlichkeit in Köln, bei denen Du Dein Reiss Profile erstellen lassen kannst. Dazu beantwortest du online einen langen Fragebogen – und ein Reiss Profile Master wertet diesen Fragebogen anschließend aus und erklärt Dir in einem ausführlichen, persönlichen Gespräch, wie Dein Ergebnis aussieht und wie es zu verstehen ist.

Core Prozess

Im NLP gibt es eine Methode, die Core Prozess genannt wird. Die Grundidee dabei:

Durch jede Handlung oder Tätigkeit eröffnet sich ein Weg zu einem tieferen Seins-Zustand. Das sind z.B. Ruhen im Sein, innerer Friede, Liebe, okay-Sein, Einssein.

Es wird also eine Verbindung zwischen der Aufgabe und tieferen Persönlichkeitsmerkmalen gesucht. Dadurch kann die Aufgabe in etwas Übergreifendes und Sinngebendes eingebettet werden – die Aufgabe erscheint in einem anderen Licht. Es fällt dann viel leichter, diese Aufgaben zu erledigen.

Vorbereitung und Material
Am besten funktioniert die Übung, wenn Du ein wenig Platz für ein paar kleine Schritte hast – vielleicht im Wohnzimmer oder im Flur. Bei schönem Wetter geht es auch sehr schön draußen auf einer Wiese. Wichtig ist, dass Du für die Dauer dieser Übung – das sollten nicht mehr als 30 Minuten sein – ungestört bist.

Als Material benötigst Du einige Blätter Papier – DIN A5 oder DIN A4 – und einen dicken Stift, damit Du das geschriebene auch aus einem Meter Entfernung lesen kannst.

Durchführung der Übung
Nehmen wir beispielhaft an, Du könntest dich nicht motivieren Telefonate zu führen. Egal, ob mit Handwerkern, Ämtern oder Vereinen: Du greifst nicht zum Telefon. Lieber schreibst Du eine Mail oder einen Brief. Das führt immer mal wieder zu Verzögerungen – manche Sachverhalte lassen sich einfach besser und schneller in einem kurzen Gespräch klären.

Und nehmen wir weiter an, dass es Dein Ziel sei, sich leichter zu diesen Telefonaten motivieren zu wollen.

Für diese Übung gehst Du so vor:

  1. Schreibe groß auf einen Zettel die Tätigkeit, zu der Du Dich motivieren willst. In meinem Beispiel wäre das „Zeitnah mit Ämtern telefonieren“.
  2. Lege den Zettel vor Dir auf den Boden und stelle Dich direkt neben den Zettel.
  3. Überlege, was Dir möglich wäre, wenn das für Dich wahr wahr wäre, was auf dem Zettel steht.In unserem Beispiel könnte das folgendes sein: „Meine Anliegen schneller abwickeln“.
  4. Schreibe das auf einen neuen Zettel, lege diesen neuen Zettel ein kleines Stück vor den ersten Zettel auf den Boden und stelle Dich jetzt direkt neben den zweiten Zettel.
  5. Überlege, was Dir möglich wäre, wenn das für Dich wahr wäre, was auf dem zweiten Zettel steht.In unserem Beispiel könnte das folgendes sein: „Ich hätte mehr Zeit für andere Dinge“.
  6. Schreibe das auf einen dritten Zettel, lege diesen neuen Zettel ein kleines Stück vor den zweiten Zettel auf dem Boden und stelle Dich jetzt direkt neben den dritten Zettel.

Wiederhole die Schritte 5 und 6 solange, bis Du in einer Schleife immer wieder zum gleichen Punkt gelangst – oder bis Du einen der tieferen Seins-Zustände aufschreibst (Ruhen im Sein, innerer Friede, Liebe, okay-Sein, Einssein).

Für das Beispiel mit dem Telefonieren könnten am Ende ein Weg aus kleinen Zetteln auf dem Boden liegen der so aussieht, wie in dieser Abbildung.

Bild mit einem Beispiel für den Core Prozess

In einem letzten Schritt gehst Du langsam Deinen Zettelweg rückwärts zurück an den Anfang und hebst dabei jeden Zettel auf. Lese jeden Zettel dabei noch mal durch und lasse die Möglichkeit, die darauf steht, auf Dich wirken.

Mach Dir klar, welchen positiven Effekt es für Dein Leben hat, wenn Du das tust, was auf dem ersten Zettel steht.

Wie kannst Du in Zukunft anders mit dieser Aufgabe umgehen, wenn Du sie aus dieser Perspektive siehst und Dir die Möglichkeiten, die darin liegen, bewusst machst?

Bild Beispiel Core Prozess - Bild 2


Bild Klaus HeywinkelÜber Klaus Heywinkel

Ich bin Vater, Multiprojektsteuerer, Autor, Trainer und Coach. Was mich antreibt: Praxistaugliche Ideen entwickeln - damit Du mehr Zeit für Dich findest.